Grain. Light. Silence.
Opening 17th April at 19:00
17.04.2026 to 30.05.2026
English Version below
Grain.
Ist das erste das dem Betrachter der Werke von Martin Waldbauer auffällt. Eine Verfremdung? Ein Bild aus der Vergangenheit? Es ist dem speziellen Prozess geschuldet, den Martin Waldbauer bei der Erstellung der Werke anwendet: Lithprinting. Ein Prozess, der chemisch einmalige Werke erschafft und auch sehr schwer zu kontrollieren ist, weshalb jede Edition im Umfang sehr eingeschränkt ist.
Light.
Licht wird ganz anders dargestellt, als man es meist von Fotografie gewohnt ist. Das ist einerseits ein bewusstes Gestaltungselement in der Fotografie von Martin Waldbauer, als auch wiederum die Bearbeitung im Lithprinting Prozess.
Silence.
Die Werke strahlen Stille aus. Egal ob das Landschaft, Strassen, Bauwerke oder Stilleben sind. Selbst die Portraits zeigen eine stille Kontemplation und die eingehende Beschäftigung des Fotografen mit seiner Umwelt um seine einzigartige Position zu entwickeln.
Die Arbeiten von Martin Waldbauer entstehen im Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Hingabe. Seine Fotografie sucht nicht den perfekten Moment, sondern den offenen Prozess. Besonders im Lithprinting zeigt sich diese Haltung deutlich: eine Technik, die Zeit, Chemie und Zufall nicht beherrscht, sondern einlädt, mitzuwirken.
Waldbauers Motive sind leise und zurückgenommen. Landschaften, Fragmente von Architektur, Andeutungen menschlicher Präsenz. Durch das Lithprinting werden sie aus der Gegenwart gelöst und in einen schwebenden Zustand versetzt. Warme Töne, gebrochene Kontraste und unvorhersehbare Farbverschiebungen verleihen den Bildern eine Anmutung von Erinnerung – nicht nostalgisch, sondern zeitlich offen. Die Fotografien wirken, als würden sie noch entstehen, während man sie betrachtet.
Der chemische Prozess wird bei Waldbauer zum künstlerischen Dialog. Das Bild ist kein festgelegtes Resultat, sondern ein Ereignis. Fehler, Unschärfen und Abweichungen sind keine Störungen, sondern Spuren der Zeit. In einer von digitalen Perfektionsbildern geprägten Gegenwart setzt Waldbauer bewusst auf Materialität, Langsamkeit und Unwiederholbarkeit.
So entsteht eine Fotografie, die nicht abbildet, sondern verwandelt. Waldbauers Bilder verlangen Aufmerksamkeit und Geduld. Sie öffnen Räume für Empfindung, Erinnerung und Stille – und erinnern daran, dass Sehen ein Prozess ist, kein schneller Akt.
Lith Printing
Was ist nun dieses Lith Printing das Martin Waldbauer für die Herstellung seiner einzigartigen Bilder verwendet?
Lith Printing wird allgemein zu den sogenannten alternativen Printing Prozessen in der Fotografie gezählt, dh alle seltenen oder abweichenden Methoden von der klassischen Bildproduktion mit konventioneller Chemie zählen dazu. Beim Lith Printing Prozess verwendet der Printer aggressivere Entwickler, welche einen höheren Kontrast im Bild erzeugen. Das ist aber auch schon das einzig Allgemeingültige, das man über Lith Printing sagen kann. Tatsächlich gibt es in der Praxis für die verwendete Chemie viele individuelle Rezepturen, meist wird nicht ein einzelner Entwickler verwendet, sondern mehrere unterschiedliche mit an- und abschließenden Tonungsprozessen.
Martin Waldbauer verwendet für die Entwicklung seiner Bilder einen Prozess bestehend aus drei Entwicklerbädern mit eigenen und geheimen Rezepturen, die jeweils unterschiedliche Tonwerte in den einzelnen Entwicklungsschritten beeinflussen. Die Entwicklung erfolgt dabei auf Sicht, dh das Papier muss in der richtigen Sekunde aus dem jeweiligen Entwicklerbad entnommen und in das nächste Bad gewechselt werden. Jedes der Bäder kann 3 bis 8 Minuten beanspruchen, oder auch nur wenige Sekunden. Anschließend werden die Bilder mit Seleniumtoner behandelt, um die dunklen Tonwerte zu pushen und die gewünschte Farbigkeit zu erzielen.
Für das Lith Printen eignen sich am besten alte Fotopapiere, die schon lange nicht mehr hergestellt werden, weil sie die ein oder andere heute als giftig eingestufte Substanz enthalten. Martin Waldbauer verwendet dafür Papiere die in den Jahren 1950 bis 1990 hergestellt wurden.
Er erarbeitet seine Bilder aus einer Schatztruhe an gesammelten alten Fotopapieren, die unwiederbringlich verloren sind, wenn etwas dem Anspruch nicht genügt. Die Ergebnisse sind durch die vielen Variablen im Prozess nicht 100% reproduzierbar, weshalb es von den Motiven auch nur sehr kleine Editionen gibt. Wenn man von der Fotografie als die reproduzierbare Kunst redet, dann ist man hier im Lith Printing ständig an der Grenze zum Unikat. Das spiegelt sich auch in den ausgestellten Werken wider.
English Version
Grain.
This is the first thing that catches the viewer's attention in the works of Martin Waldbauer. An alienation? An image from the past? It is due to the special process that Martin Waldbauer applies in creating his works: lithprinting. A process that chemically produces unique works and is very difficult to control, which is why each edition is very limited in scope.
Light.
Light is presented quite differently than one is used to in photography. This is both a deliberate design element in Martin Waldbauer's photography and also a result of the processing in the lithprinting technique.
Silence.
The works exude silence. Whether they are landscapes, streets, buildings, or still lifes, even the portraits show a quiet contemplation and the photographer's deep engagement with his environment to develop his unique perspective.
Martin Waldbauer’s work unfolds in the tension between control and surrender. His photography does not seek the perfect moment, but an open process. This attitude becomes especially evident in his use of lith printing—a technique that does not dominate time, chemistry, and chance, but invites them to participate.
Waldbauer’s subjects are quiet and restrained: landscapes, architectural fragments, traces of human presence. Through lith printing, they are released from the present and placed into a suspended state. Warm tones, broken contrasts, and unpredictable color shifts give the images the quality of memory—not nostalgic, but temporally open. The photographs seem to continue forming as one looks at them.
For Waldbauer, the chemical process becomes a dialogue. The image is not a fixed result but an event. Errors, blurs, and deviations are not disturbances, but traces of time itself. In a contemporary image culture shaped by digital perfection, Waldbauer deliberately embraces materiality, slowness, and irreproducibility.
The result is a form of photography that does not merely depict, but transforms. Waldbauer’s images ask for attention and patience. They open spaces for sensation, remembrance, and silence—reminding us that seeing is a process, not an instant.
Lith Printing
What is this Lith Printing that Martin Waldbauer uses to create his unique images?
Lith Printing is generally classified among the so-called alternative printing processes in photography, meaning all rare or deviating methods from classic image production with conventional chemistry fall into this category. In the Lith Printing process, the printer uses more aggressive developers, which create a higher contrast in the image. However, that is the only universally applicable statement that can be made about Lith Printing. In practice, there are many individual recipes for the chemistry used; typically, not a single developer is used, but several different ones along with additional toning processes.
Martin Waldbauer uses a process consisting of three developer baths with his own secret recipes, each influencing different tonal values in the individual development steps. The development is done visually, meaning the paper must be removed from the respective developer bath at the right moment and switched to the next bath. Each bath can take 3 to 8 minutes or just a few seconds. Afterwards, the images are treated with selenium toner to push the dark tonal values and achieve the desired colour.
Old photographic papers that are no longer produced are best suited for lith printing, as they contain substances that are considered toxic today. Martin Waldbauer uses papers manufactured between 1950 and 1990. He creates his images from a treasure trove of collected old photographic papers, which are irretrievably lost if something does not meet his standards. The results are not 100% reproducible due to the many variables in the process, which is why there are only very small editions of each photograph. When discussing photography as a reproducible art form, Lith Printing constantly hovers on the edge of uniqueness. This is also reflected in the exhibited works.
Martin Waldbauer
geboren 1986
lebt in Hauzenberg / Passau
„In meinen Bildern versuche ich nicht einen bestimmten Moment zu dokumentieren, sondern die Spuren der Zeit zu konservieren.“
Martin Waldbauer arbeitet in der klassisch, analogen Schwarzweissfotografie mit Mittelformatkameras im Format 6×6 und 6×7 cm und einer Großformatkamera mit der Negativgröße von 20×25 cm. Ein essentieller Bestandteil seines Schaffens ist die Interpretation des Negativs in der Dunkelkammer. Die in der Regel mehrfach getonten Silbergelatineabzüge und die sogenannten Lithprints sind das Resultat seiner intensiven Auseinandersetzung mit diesem Medium.
Ausstellungen:
2026 Galerie Noir Blanche Düsseldorf
2026 “Das Prinzip der Blüte” Burg Ranfels
2025 „Spuren der Zeit“ Kronast Haus / Prien am Chiemsee
2025 „Fotografien“ Kulturmodell / Passau
2025 „BlumenReich“ Galerie Noir Blanche / Düsseldorf
2024 „Funkloch“ Kunstsammlung Ostbayern / Hengersberg
2023 „Stein.Holz.Wald.“ Schloss Obernzell / Passau
2023 „Spuren der Zeit“ Bosco Kulturhaus / Gauting
2023 „Fotografien“ Haus für zeitgenössische Kunst / Triftern
2023 „Fotografien“ Alter Schlachthof / Straubing
2023 „Aktuelle Positionen“ Galerie Altes Rathaus / Prien am Chiemsee
2022 „Spuren der Zeit“ Neue Galerie / Landshut
2022 „Spuren der Zeit“ Landkreisgalerie Passau
2022 „Spuren der Zeit“ Galerie AK68 / Wasserburg am Inn
2021 „Spuren der Zeit“ Burg Ranfels
2020 „Portraits“ Kulturmodell / Passau
2019 „Kunst trifft Kulinarik“ mit Michael Lauss / Hauzenberg
2018 „Hoamad/Heimat. 2013-2018“ Waldgeschichtliches Museum St. Oswald
2018 „Einzelpublikation“ Hans Eisenmann Haus Neuschönau / Bayr. Wald
2017 „Sammle in der Zeit“ Freilichtmuseum Massing
2017 “Hoamad/Heimat“ Granitzentrum Hauzenberg
2016 „Sammle in der Zeit“ Freilichtmuseum Finsterau
2016 „Lagerware“ Lagerhaus Hauzenberg
2014 „12 Lichtbildner“ Kunstverein Passau
2013 „looking back through these mirrors“ Spatz Hutdesign Passau
2012 Stare Magazin Passau